BLOGBEITRAG

17 | 04 | 2009

Hapki-Do – wohin führt uns der Weg?

Geschrieben von

Korea - Komet

Korea - Komet

Die Geschichte des Hapki-Do hat “viele Gesichter”, besonders das uns heute bekannte Hapki-Do! Seit Jahrzehnten verändert sich das Hapki-Do ständig, positiv wie auch negativ beeinflußt durch die Einflussnahme bestimmter Großmeister, und den wachsenden Anteil der verschiedenen Verbänden- die von sich aus den Anspruch auf alleinige Anerkennung, national wie auch international erheben.

Nun…., dieser Entwicklung ist in der heutigen, kommerziell ausgerichteten Zeit wohl schwer beizukommen, es schadet vor allem in erster Linie dem/der einzelnen interessierten Sportler/in, der/die sich vorkommen muß, wie wenn man mit bloßen Händen Wasser tragen soll. Natürlich unterliegt Hap-Ki-Do im Sinne von Um und Yang der ständigen Veränderung, bzw. einer Verbesserung und Weiterentwicklung der Techniken. Doch was meist auf der Strecke bleibt ist; die eigentliche Philosophie des Hap-Ki-Do- die wenn sie richtig vermittelt wird, für den Einzelnen mehr bringt, als nur Verteidigungstechniken!

Die Lehre des Hap-Ki-Do sagt: ” Wenn du andere besiegen willst, lerne zuerst dich selbst zu besiegen!” Dies bedeutet; man muß ständig den Kampf mit sich selbst ausfechten, muß feststellen, dass dies sehr schwierig ist- denn Disziplin und Achtung vor dem anderen stehen an erster Stelle. Will man also Hap-Ki-Do erlernen, so stellt sich für jeden die Frage: Will ich es nur um als Freizeitsportoder als die Möglichkeit einer umfassenden Ausbildung zu Selbstverteidigung erlernen? Doch in beiden Fällen wird man feststellen müssen, dass Disziplin, Lernbereitschaft und Durchhaltevermögen für jeden echte Prüfsteine darstellen. Und dies…, so meine ich, wird in den meisten Schulen, Clubs, Vereinen usw. nicht mehr bzw. unzureichend vermittelt.

Über die geschichtliche Entwicklung ist schon viel geschrieben worden. Darum möchte ich mich hier nur auf eine Ergänzung der weiteren Entwicklung beschränken und einige Zusammenhänge darstellen.

Einer der Großmeister, der Hap-Ki-Do in der westlichen Welt bekannt gemacht hat, ist Großmeister Ji Han Jae. Ji Han Jae wurde in Andong (Korea) geboren, trainierte dann später im Tempel unter der Leitung des Mönches Lee, um seine Fähigkeiten und sein Wissen über die koreanischen Kampfkünste zu erweitern. Lee unterrichtete ihn im Taekyon (ein Stil, der sich auf Fußtechniken spezialisierthat), und im Moo Gui Sul (koreanische Waffen) d.h. besonders im Chang Bong (dem Langstock), beides typische Waffen der damaligen Mönche.

Besondere Beeinflussung erfuhr Ji Han Jae durch die Begegnung mit der Nonne Karma, die eine Meisterin des Tan Jon Sul war. Tan Jon Sul wird vor allem von der Beherrschung des Ki beeinflußt, die Harmonie von Körper und Geist wird hier besonders hervorgehoben, es bildet eine vollkommene Einheit mit den Techniken, es bedeutet aus dem Zentrum des Ki arbeiten.

In den Folgejahren trainierte er dann Sin Moo Hap-Ki-Do und eröffnete alsbald in seiner Geburtsstadt seine erste Schule- er nannte sie An Moo Kwan und unterrichtete seine ersten Schüler in der Stilrichtung Yu Kwon Sul. Unter seinen ersten Schülern befanden sich u.a. Yu Yong Woo, Oh Se Lin und Kwon Tae Man. Meister Ji legte großen Wert auf die Beherrschung der Fußtechniken, ähnlich wie beim Taekwon-Do. Meister Ji kreierte nach eigenen Angaben einen eingesprungenen Drehkick, den er San`gang tora chagi nannte. Anmerkung: diese Technik erlernte ich schon zu Beginn meines Taekwon-Do Trainings 1965 und es ist mir bekannt, dass meine koreanischen Meister allesamt diese Techniken beherrschten, auch im Lehrbuch von Großmeister Choi Hong Hi wird diese Technik erwähnt.

Meister Ji ging dann nach Seoul, wo er seine zweite Schule eröffnete, er nannte sie Sung Moo Kwan. Seine zu dieser Zeit wichtigsten Schüler waren: Hwang Dok Kyu, Bong So Han, Choi Sea Oh,Myung Jae Nam, Kwang Shik Jin, Kim Yong Wha und Whan In Sik. Im Jahre 1959 entschloß sich Jae den Namen seiner Kampfkunst von Hapki Yu Kwan Sul in Hapki-Do umzubenennen. In seiner Bedeutung implizierte er: ” den Weg zur Vereinigung physischer, mentaler, harter und weicher Energien.”

In den Wirren der koreanischen Revolution im Jahre 1961 war auch Ji Han Jae nicht unverschont geblieben. Durch die Hilfe von Major Lee Dong Nam konnte Ji nun seine Schule ungestört weiterführen. General Park begann aus Sicherheitsgründen sein Schutzpersonal zu verstärken und Ji Han Jae wurde dann 1962 Chefausbilder der Präsidentengarde. Eines Tages bekam Meister Ji ein japanisches Buch über Aiki-Do in seine Hände, was ihn sofort sehr interessierte, denn die chinesischen Schriftzeichen für Hap-Ki-Do sind nahezu identisch mit denen des AIKI-Do- der einzige Unterschied liegt lediglich in der Aussprache. Dies gefiel Meister Ji Han Jae ganz und gar nicht, und suchte einen neuen Namen; den er “Kido” nannte.

Am 20. September 1963 gründete Ji Han Jae zusammen mit seinem ersten Schüler Choi Yong Sul die Korea Kido Association, um die Lehre und die Prüfungsvoraussetzungen für die Schwarzgurte (Dan-Träger) zu standardisieren (z.Z. umfaßt die Organisation 33 verschiedene Stilrichtungen). Meister Ji überließ Meister Choi Yun Sul den Vorsitz der Organisation. Doch obwohl Ji einer der Mitbegründer war, ernannte Choi Yun Sul, Choi Kim Yung (Seine rechte Hand) zum Generalsekretär der Organisation. Meister Choi nannte nun die Kampfkunst mal Yu Kwon Sul, mal Haki Yu Sul oder Kido- er gab ihr sogar manchmal den umfassenden Namen Hap-Ki-Do. Dies gefiel Ji Han Jae natürlich nicht, war mit der momentanen Situation nicht sehr zufrieden.

Im Jahre 1965 schlug Ji Han Jae dem Präsidenten Park Jong Kyu vor, eine eigene Organisation für das Hapki-Do zu gründen ( Taekwon-Do besaß ja schon eine eigenständige Organisation ), und da der Präsident einverstanden war, verließ Meister Ji Han Jae seine gegründete Organisation und gründete die Korea- Hapki-Do Association- deren Mehrzahl sich aus der Sung Moo Kwan Schule rekrutierten.

In den 70er Jahren reiste Meister Myung Jae Nam, ein Schüler der 2. Generation der Sung Moo Kwan Schule von Meister Ji nach Japan um das japanische Aikido kennen zu lernen. Es fand ein reger Austausch von Techniken statt und es entstand ein neuer Stil. Dieser Stil kombiniert die Hap-Ki-Do Techniken mit den kreisförmigen und sehr weichen Techniken des Aikido.

Man kann heute sehr klare Unterschiede zwischen den einzelnen Systemen erkennen, wie es z.B. das sogenannte Hap-Ki-Do von Meister Myung gegenüber von Meister Ji ist. Im Jahre 1973 versuchte dann Meister Ji Han Jae die drei Hauptströmungen des Hap-Ki-Do zu vereinen. Kim Woo Won, Myung Jae Nam und er setzten sich mit dem Vorsatz zusammen, die Prüfungsprogramme bis einschließlich dem 5. Dan aufeinander abzustimmen, und die drei Hauptschulen unter einem Dach zu vereinen. Doch Meister Myung war gerade dabei, seine eigene Stilrichtung zu erarbeiten, und war daher an keiner Zusammenarbeit der Systeme interessiert- und so scheiterte das Treffen.

Nach dem Attentat auf den Präsidenten 1979 wurde die gesamte Garde des Präsidenten festgenommen- und auch Ji Han Jae landete für einige Zeit ins Gefängnis. Das war natürlich eine unangenehme Situation für Meister Ji. Die Korea Hap-K-Do Association gelangte in die Hände verschiedener Meister, und einige seiner Schüler begannen ihre eigene Organisationen zu gründen. Alles Ereignisse, die nicht zum Vorteil des Hap-Ki-Do, seiner Entwicklung und Verbreitung beitrugen.

Im Gefängnis hatte Meister Ji Han Jae Gelegenheit sich auf den Ursprung seiner Lehren zu besinnen, erinnerte sich an die Lehre der Nonne Karma ( dem Tan Jon Moo Sul ), versuchte daraufhin sein System neu zu perfektionieren, nannte es dann “Sin Moo-Hapki-Do”.

Doch auch Meister Myung Jae Nam nutzte die Stunde der Zeit und gründete 1984 die Internationale Hapki-Do Föderatio um so seine Stilrichtung besser verbreiten zu können.

Die 70 er Jahre waren wohl die Jahre, die den meisten Einfluß auf die Entwicklung der asiatischen Kampfkünste hatten, denn die “Eastern…, also Kung Fu Filme brachten sie in alle Welt. Ji Han Jae erkannte sofort die große Möglichkeit, Hap-Ki-Do einer großen Öffentlichkeit vorzustellen. Im Jahre 1971 veranstaltete er in Los Angeles mit seinen Schülern eine Demonstration und fand große Anerkennung. Gestützt von seinen ihm loyal gegenüberstehenden Meister und Schüler, begann er an der Verbreitung des Sin Moo Hapki-Do zu arbeiten und gründete die Korean Sin Moo Hakpki-Do Association- 1996 besuchte Meister Ji Han Jae zum ersten Mal Europa, gab einige Seminare und legte so den Grundstein, für die Verbreitung auch in Europa.

Sin Moo Hap-Ki- Do – Hoi Heon Moo Sul – Hwal Mu Hapki-Do – Han So Do – Kung Jung Mu Sul – Shinson Hapki-Do – Kuk Sul Won und andere Hap-Ki-Do Stielrichtungen sind nicht so verschieden wie wir im allgemeinen denken.

Wenn wir alle Systeme miteinander vergleichen, so werden wir feststellen :

  • alle haben die gleichen Prinzipien
  • es ist die Vereinigung von Seele, Geist und Körper
  • Sie unterscheiden sich nur in ihre technischen Inhalten

Als Beispiel möchte ich Kuk Sul Won ( gegründet von Suh In Hyuk ) benennen.Meister Shu lernte von seinem Großvater Sun Myng Deuk das Kang Joong Mu Sul und gründete schließlich im Jahre 1958 das Kuk Sul Won, dass 250 Zentraltechniken beinhaltete. Diese Kampfkunst ist eine Kombination aus drei traditionellen Kampfstile Koreas.Dem Sado Mu Sool- einer ursprünglichen Stammes bzw. Familien Kampfkunst, dem Bool Kyo Mu Sool- einer alten buddistischen Tempelkampfkunst, und Koong Joong Mu Sool- der Kampfkunst des königlichen Palastes.

Aus dem Sado Mu Sool wurde die Kunst des Dan Bong (kurzer Stock) übernommen. Diese Technik wurde früher von den Mönchen entwickelt, die dazu ihre Flöten benutzten. Fortgeschrittene des Kuk Sul Wonüben sich auch in Techniken der traditionellen koreanischen Heilkunst. Im Kuk Sul Won sind die meisten fernöstlichen Kampfsportarten integriert. Schwert und Fächerkampfgelten als Grundlage der traditionellen Waffenkunst (ähnliches finden wir auch im Hwa Rang Do).Wenn wir die Wesensart des Shinson Hap-Ki-Do betrachten, werden wir feststellen, dass diese Kampfkunst aus dem früheren Kung Jung Mu Sul hervorgeht, einer der drei Hauptformen des Kuk Sul Won. Da Hap-Ki-Do also neben den Hebel und Wurftechniken aucheine Reihe von Kampftechniken wie : Gom Sul (Schwertkampf) Bong Sul (Stockkampf) Bu Chai Sul (Kampffächer) beinhaltet, betrachte ich Hap-Ki-Do als eines der umfassendsten Systeme zur Selbstverteidigung.


In eigener Sache noch ein Wort.

Hapki-Do besticht durch Effektivität und Dynamik, aber auch durch eine gewisse Harmonie und Eleganz der Techniken. Für mich persönlich ist jedoch das wichtigste, dass die Hapki-Do Systeme ihre Tradition bewahren, jedoch im Rahmen der Entwicklung auch eine gewisse Kreativität und Neues zulassen und in das System integriert. Somit ist gewährleistet, daß sich Hap-Ki-Do auch weiter entwickeln kann.

Mein ganzes Leben lang interessiere ich mich für alles was mit Kampfsport zu tun hatte, habe in den verschiedensten Kampfsportarten trainiert und an Meisterschaften teilgenommen. Doch Taekwon-Do und insbesondere Hap-Ki-Do waren für mich persönlich die Kampfkünste, die mir zusagten und in denen ich meine Dan-Grade erwarb. Doch obwohl Taekwon-Do und Hap-Ki-Do meine Sportart geworden ist, in der ichmich auch wiederfinde, bin ich immer offen für alle Kampfsportarten, denn man kann dabei viele Vergleiche anstellen und von einander lernen. Ich bin ein “Perfektionist” wenn es um technische Inhalte geht, verlange von meinen Schülern volle Konzentration, Lernwille und eine gewisse Loyalität. In meinem geführten Training wirkt die Polarität von Um Und Yang, läßt aber neben aller Anstrengung auch eine gewisse “Lockerheit” zu. Wer also bei uns Hap-Ki-Do erlernen möchte ist immer willkommen

Beitragsdetails

Tags » , «

gravatar

Kategorie » HAPKI-DO «

Trackback: Trackback-URL |  Kommentar-Feed: RSS 2.0 | 2097 Worte

Beitrag kommentieren

Kommentar schreiben ...

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

(X)HTML Tags zur Formatierung der Kommentare

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>